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Ich las: Robert Gerwarth: Die Besiegten

Das blutige Erbe des Ersten Weltkriegs

Auf der vierten Umschlagseite steht:

"Der Waffenstiillstand vom 11. November 1918 beendete das Sterben auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs, doch in weiten Teilen Europas kehrte mit diesem Datum kein Friede ein. Vor allem die Verlierer des Krieges versanken in einer Spirale der Gewalt. In seinem breit recherchierten und packend geschriebenen Buch untersucht Robert Gerwarth das brutale Erbe des Ersten Weltkriegs. Er zeigt das Ausmaß der Kriege und Konflikte, der Revolutionen, Vertreibungen und Progrome, die Europa erschütterten und Millionen Menschenleben kosteten, und verdeutlicht so eindrucksvoll, warum das Schicksal der Besiegten der Schlüssel zum Verständnis des 20. Jahrhunderts ist."

"Angesichts dieser Geschichte eines Kontinents im Chaos versteht man, warum sich Europa in den 1930er Jahren vor allem nach einer stabilen Odnung sehnte - weit mehr als nach Frieden." (The Sunday Times)


Beim Lesen dieses Buches begriff ich, warum Kemalismus, Faschismus, Nationalsozialismus und Bolschewismus entstehen und die Macht in Italien, Deutschland und Russland sowie der Türkei erringen konnten. Letztlich waren es einige wenige Männer mit ihrem relativ kleinen Trupp Anhänger, die das bewerkstelligten. Sie erreichten es durch den Zerfall dieser 4 Großreiche: Russland, Osmanisches Reich, Habsburg-Monarchie und Deutschem Kaiserreich, den Verlierern des Weltkrieges.
Ihnen müssen unbedingt die Männer - und Frauen - zugerechnet werden, die zu den Begründern der kleineren Nationalstaaten wurden, die sie aus der Konkursmasse der Verlierer mit dem Segen der Sieger herausschnitten.

Ich war schon früh zur Auffassung gelangt, das die Gräuel dieses Krieges die dunkle Seite der Menschen herauslockte. Verantwortlich dafür hielt halte ich insbesondere die deutsche, französische und russische Generalität. Wer wie der deutsche Generalstabschef seine Verdun-Strategie mit dem Satz begründete: "Wir werden hier den Franzosen eine Blutpumpe ansetzen", der kann nicht anders, als mit Menschenleben aasen. Ähnlich haben es u.a. die Poilus und Iwans auch erfahren müssen. Wer das als Soldat mitgemacht hat, der musste fortan Gewalt gegen jedermann und -frau und - kind für legitim halten und ausüben.

Die Führer an der Spitze und künftigen Staatenlenker brauchten ihnen nur noch die geeigneten Feinde zu benennen: Die Juden, die religiöse Minderheit in ihrem zu errichtenden Nationalstaat, die ethnische Minderheit, der Klassenfeind, und zu den Nachbarn gewandt: die feindlichen Soldaten, die Zivilisten, die es zu berauben galt, und, und, und!
Ich denke, der Österreichische Gefreite brachte sein antisemitisches Weltbild bereits mit, als er in die deutsche Armee eintrat. Am Ende fühlte er sich vermutlich vollauf bestätigt, als man diese Menschen als Feinde aller Völker benannte, die es zu bestrafen galt.
Das geschah in Russland, im Baltikum, in Polen, in der Tschechoslowakei, in Ungarn, in Rumänien, in Bulgarien, im Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen, in Griechenland und nicht zuuletzt auch in Deutschland und Österreich. Für den genannten Gefreiten wohl nicht brutal und effizient genug. Als er endlich in Deutschland die Macht errungen hatte, veranlasste er den fabrikmäßig ausgeübten Judenmord mit entsprechener Präsizion. Willige Helfer fand er dabei genug.

Dieses Desaster hat - unbeabsichtigt - auch Herr Wilson angerichtet, als er kraft seines Amtes als US-Präsident sein 14-Punkte-Programm bekanntmachte und dabei das "Selbstbestimmungsrecht der Völker" propagierte. Leider sagte er nicht, dass er damit das Recht der Völker meinte, ihre Regierungsform selbst zu wählen. Dieser Punkt spielte den Nationalisten aller Länder in die Hände, die einen eigenen Staat anstrebten.
Manche mussten erkennen, dass er ihnen ganz und gar nicht zugestanden wurde: den Verlierern des Krieges nicht, den dunkelhäutigen, den ganz dunkelhäutigen, den gelben und schlitzäugigen auch nicht. Sie alle merkten sich das und sagten das laut oder weniger laut, wir werden das revidieren.

Ich bin durch dieses Buch schlauer geworden und wünsche selbiges allen Lesern.
8.3.17 18:45
 
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