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WAK - 33 Jahre sind genug

Mit der Verabschiedung des Lehrgangs KW 49 (abends) habe auch ich Valet gesagt. Prof. Stangl wußte dazu Bemerkenswertes zu sagen. Mich überraschte das gute Archiv der Akademie. Bis zu diesem Abend glaubte ich, mit dem Lehrgang 17 im Jahre 1974 meine Dozententätigkeit aufgenommen zu haben. In Wirklichkeit war es 1 Jahr früher.

Dem damaligen Leiter, Dr. Zankl, hatte ich nach den ersten Vorlesungen einen Erfahrungsbericht geschrieben, aus dem Prof. Stangl zitierte. Er war beschrieb sehr kritisch die Lernwilligkeit der Studenten. Von diesem Bericht wußte ich nichts mehr.
Immerhin konnte ich mich daran erinnern, daß damals etwa 65 % der Studierenden den Hauptschulabschluß hatten und der Rest die mittlere Reife. Abitur oder Fachhochschulreife besaß niemand. Zudem waren 95 % der Absolventen Männer.

Schon vor über einem Jahrzehnt gab es an der Akademie keinen Absolventen mit Hauptschulabschluß. Ggf. 5 % mit mittlerer Reife und der Rest (95 %) Abitur, Fachhochschulreife
oder abgeschlossenes Studium.
Der Anteil der Männer war auf (geschätzte) 35 % gesunken. Darüberhinaus besaßen die Frauen durchweg die bessere Vorbildung, bzw. bessere Noten.

Woran ich mich noch erinnere? An Dr. Zankl, den ersten Leiter der Rheinisch-Westfälischen Akademie und Werbefachschule Köln, an seinen Nachfolger, Dr. Herppich und an dessen Nachfolger, Dr. Hentschel, die alle "in den Sielen" starben. (Prof. Stangl wird dies vermutlich nicht passieren.)

Dr. Herppich, der ein echter Franke war und nie ein Blatt vor den Mund nahm, verdanke ich eine schöne Anekdote:
Im 19. Jahrhundert dúrften Juden in Nürnberg zwar Geschäfte machen aber nicht dort wohnen. So siedelten sie sich in Fürth an. Weil ihnen die Fahrt mit Pferd und Wagen täglich nach Nürnberg und zurück zu lange dauerte, finanzierten sie 1835 den Bau der ersten Eisenbahn von Nürnberg nach Fürth. Und diese Tatsache, so Dr. Herppich, würde bis heute verschwiegen; die Nürnberger sollten sich schämen.

Natürlich auch an einige Studenten, z,B, an das junge Paar aus dem Harz. Sie kamen Ende der 70iger Jahre nach Köln, um die WAK zu besuchen. Er suchte und bekam einen Job bei Saturn, sie bei einer Softwarefirma.
Zum Abschluß des Studiums bekam ich vom Werbeleiter der DeTeWe Berlin ein Preisthema für die große Hausarbeit. Es galt dem Follow up auf Werbeaktivitäten, insbesondere der Anzeigenwerbung, um sie dem Vertrieb rasch nutzbar zu machen.
Die beiden jungen Leute wählten dasselbe Thema, nämlich das der DeTeWe. Er analysierte Anzeigen und machte konkrete Vorschläge, wie sie zu gestalten wären, damit überhaupt ein Follow up zustande kommt. Sie hingegen legte ein komplettes Computerprogramm vor, wie mit dem Follow up zu verfahren sei, damit der Vertrieb die "Ernte einfahren" kann.
Beiden erkannte DeTeWe jeweils den 1. Preis zu und kaufte Teile der Arbeiten an.
Anschließend heirateten sie und zogen wieder heimwärts, um im Harz eine Werbeagentur zu eröffnen.

Dann erinnere ich mich natürlich an Herrn Schneider-Lombard, den ersten Sponsor eines Investitionsgüterthemas für die große Hausarbeit.
Als er viele Jahre später Vertriebsleiter einer Büromöbelfirma wurde, gab er uns ein Thema auf, das einer neuen Generation von Bürostühlen galt.
Eine junge Studentin erhielt den 1. Preis zuerkannt, ihre Arbeit wurde zu Agenturkonditionen angekauft und sie mit der Durchführung beauftragt. Sie machte sich selbständig.

Dann erinnere ich mich noch an den jungen Mann, der eines Tages zu mir kam und "beichtete", er habe mein Investitonsgüterthema für zu schwer befunden und lieber das Agfa-Thema genommen. Nun aber sei er, nach erfolgreicher Jobsuche, bei einer japanischen Vertriebsfirma gelandet, die Produkte der Industrie-Elektronik anbietet. Ja, und davon habe er nun überhaupt keine Ahnung.
Ich schlug ihm vor, seine werblichen Aufgaben als Thema einer großen Hausarbeit an die WAK zu geben. Seinen Oberen könnte er das mit dem Argument verkaufen, auf diese Weise bekämen sie einen großen Überblick auf viele Möglichkeiten der Werbung. Er kam damit durch.
Eine junge Studentin errang den 1. Preis, ihre Arbeit wurde angekauft und sie mit der Durchführung beauftragt. So gewann sie ihren ersten Kunden und konnte sich selbständig machen. Der Werbeleiter wurde von seinen Oberen gelobt ob seiner Weitsicht.

Als ich 1973 begann, da war mein Thema "Investitionsgüterwerbung" ein Wahlfach. Was zur Folge hatte, daß an der ersten Vorlesung etwa 18 Studierende teilnahmen (von 30), in der zweiten Vorlesung war die Zahl auf 10 gesunken, in der dritten auf 6, die dann bis zum Schluß durchhielten.
Jahre später, schon in der Goltsteinstraße, wurde es Pflichtfach. Da kamen so viele Studenten, daß ich jede Vorlesung zweimal am Abend halten mußte, denn sie fanden nur in zwei Sälen Platz.
Die Durchsicht der Klausuren empfand ich wie eine Strafe. Die Handschriften zu entziffern war die reinste Plage. (Vermutlich war daran der Computer Schuld. Wer schrieb noch Texte mit der Hand?)
Ende der 90iger Jahre wurde die "Investionsgüter-Kommunikation" wieder Wahlfach. Die Anzahl der interessierten Studenten erinnerte mich an die Anfänge in der Glockengasse 4711. Mehr wurden es einfach nicht, eher weniger.

In den ersten Jahren ärgerte ich mich noch darüber, daß die Studenten vom vielfältigen Angebot der WAK nicht genügend Gebrauch machten.
Nie wieder würden sie (kostenlos) so umfassende Einblicke in Faszetten der Kommunikation/Werbung erhalten wie in der WAK. Später müßten sie für Fortbildungsmaßnahmen viel Geld aufwenden. Doch die Studierenden dachten gerade mal bis zum Studienabschluß. Darüberhinaus zu denken war ihre Sache nicht.
Nach dem ersten Jahrzehnt nahm ich das mit Gleichmut hin. Studenten sind halt so. Sie denken an gute Noten im Zeugnis, der Rest kommt danach!

Wenn ich zurück denke, dann wird mir mein Gleichmut insofern verständlich, als ich ja kein hauptberuflicher Dozent war. Als Mann der Praxis verhielt ich mich wie bei meinen Kunden. Ich unterbreitete meine Vorschläge, sie kauften sie und machten damit was s i e wollten. So hielt ich es auch mit meinen Vorlesungen: Ich machte Vorschläge des Lernens, die Studierenden machten daraus, was sie wollten. Auf diese Weise kamen wir gut miteinander aus.

Natürlich erinnere ich mich auch an die beiden Lehrgangs-Betreuerinnen, Frau Esser-Czych und ihre Nachfolgerin Frau Schröder. Ihre fachliche Arbeit möchte ich an dieser Stelle nicht würdigen, sie war kompliziert genug.
Sehr gerne aber erinnere ich mich an die Reaktion der Studierenden: Beide Betreuerinnen gleichermaßen begegneten ihnen wie gute Mütter, große Schwestern oder geliebte Tanten.
Wie diese beiden Frauen der "Werbejugend" zur Seite standen, hat die Akademie nie so richtig zu würdigen gewußt. Und auch nicht, daß sie das Image des Lehrgangs sehr wesentlich mitgeprägt haben. Damit waren sie zu einem gewissen Teil auch für den wirtschaftlichen Erfolg verantwortlich.
24.11.06 02:14
 
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