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Leben nach dem Tod

Als ich ein Kind war, hörte ich meinen Vater über Joh. 14, 27 predigen: "Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht."
Davon ist mir nur eines in Erinnerung geblieben: Es gibt zweierlei Arten des Friedens, den der Menschen und den Frieden bei Gott. Darüber machte ich mir keine weiteren Gedanken.

Nun sind es beinahe 30 Jahre her, daß ich eines Morgens mit starken Schmerzen in der Brust und an den Oberarmen aufwachte und Dore noch einmal nach mir schaute, ehe sie zur Arbeit fuhr.
So trat der Infarkt erst in der Klinik ein, als ich schon an die Maschinen angeschlossen war. Aber das spürte ich nicht mehr.

Vielmehr schwebte ich in einem großen dunklen Tunnel nach oben. Dieses Schweben dauerte sehr lange. Mir war aber bewußt, daß ich es war. Mein Ich schwebte in dem Tunnel empor und dieses Ich war nicht mein Körper.

Die große Röhre erweiterte sich ganz langsam zu einem Trichter, in den Licht hinein fiel und es wurde immer heller. Ich schwebte über den Rand hinein in einen ungeheuren Raum mit Wänden aus rechteckigen Kristalplatten, durch die ein weißes Licht einstrahlte.
Und dann fiel etwas von mir ab, alles Aggressive, alles Bösartige, alle Angst, aller Neid und alles was Haben will. In mir entstand ein Friede, der so unbeschreiblich ist, daß er nur Gottes Friede genannt werden kann.

Ich wollte in diesen großen Raum weiter hinein, als plötzlich zwei helle Gestalten vor mir standen und den Weg versperrten. Ich wußte sogleich, daß es mein Vater und mein Bruder Reinhard waren, die schon viele Jahrzehnte nicht mehr unter den Lebenden weilten. Sie sprachen zu mir: "Deine Stunde ist noch nicht gekommen, Du mußt wieder zurück."
Mich überkam ein großes, ja schmerzliches Bedauern, ich wollte bleiben, mit ihnen gehen. Als sie auf mich zu kamen, schoben sie mich mit dem Licht, das von ihnen ausging, über den Trichterrand, und ich schwebte nach unten in die Dunkelheit zurück.

Als ich nach fast 24 Stunden aus der Bewußtlosigkeit erwachte, hatte ich einen Hinterwandinfarkt erlitten, von dem ich mich langsam erholte.
Nach 14 Tagen durfte ich dann erstmals nach Draußen. Es war trüber November aber mich überfiel ein so grandioser Eindruck unserer schönen Welt, daß es mir den Atem nahm. So etwas hatte ich nie zuvor erlebt. So schön war mir nie ein Baum erschienen, nie der kühle leise Wind, nie die Wolkenwatte am Himmel. Es war, als hätte ich unsere Erde, so wie sie war, noch nie wirklich wahrgenommen.
Diese Wahrnehmungsfähigkeit hielt wenige Wochen an, um dann dem früheren Realitätssinn Platz zu machen. Die Welt wurde wieder, was sie immer gewesen ist. Doch das Wissen über die Schönheit unserer Erde verließ mich nicht. Und auch das Staunen darüber ist mir geblieben. Ich erlebe dieses Schöne besonders dann, wenn ich den Tag auf der Gartenterrasse verbringe und den Pflanzen beim Wachsen und den Wolken beim Dahinziehen zuschauen kann. Wenn dann noch zwischendurch der blaue Himmel aufleuchtet, werde ich dankbar und still.

Als mein Ich den Frieden des Lichts schmeckte, blieb die Sehnsucht danach zurück. Sie aber nahm mir die Angst vor dem Tod. Deshalb auch bin ich mir völlig sicher: Ich werde immer leben. Zum Teil auf unserer Erde, danach aber in einem Frieden, der Gottes Frieden ist. Und ich werde all die Menschen wiedersehen, die ich geliebt und gekannt habe.

Im Laufe der letzten Jahrzehnte habe ich u.a. auch Joh. Seb. Bach verstanden, der in einer seiner Kantaten sang: "Ich sehne mich nach meinem Tod.." Er muß etwas von dieser jenseitigen Welt gewußt haben.
10.8.07 00:24
 
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