sunnus
  Startseite
    Sonstiges
    Biografie
    Literatur
    Zeitgeschichte / Politik
    Marketing-Kommunikation
  Archiv
  Biografisches
  Gästebuch
  Kontakt
  Abonnieren

   sunnus

http://myblog.de/sunnus

Gratis bloggen bei
myblog.de





Ich las: Angela Bajorek: Wer fast nichts braucht, hat alles Janosch

Die Biografie

Auf der 4. Umschlagseite heißt es:
"Ich werde niemals mehr jemandem so viel über mich sagen." Janosch zu seiner Biographin Angela Bajorek.

"Oh wie schön ist Panama, Tigerente, der kleine Bär und der kleine Tiger - Janosch ist der bekannteste deutsche Kinderbuchautor. Doch über ihn selbst wusste man bislang nur wenig. Dank dieser umfassenden Biogrphie bietet uns Angela Bajorek einen spannenden Einblick in das Leben des preisgekrönten Künstlers und sympathischen Eigenbrötlers."

Ich lernte Janosch durch seinen ersten Roman kennen: "Cholonek oder der liebe Gott aus Lehm". Diese oberschlesische Milljöhstudie fand ich damals (1970) recht amüsant. Dass Janosch darin seine eigene Kindheit schilderte, erfuhr ich erst aus seiner Biographie. Dazu noch viel mehr. Es verschlug mir glattt die Sprache, denn so viel an entsetzlicher Armut habe ich mir nicht vorgestellt.
Ich finde es nachdenkenswert, wie Janosch sein Leben und Werden beschreibt und dabei auch seinen Bruder erwähnt, der Vergleichbares nicht geschafft hat, obgleich beide eine - wie ich finde - schreckliche Kindheit hatten.
Wer Janosch schätzt, wird seine Biographie mit Gewinn lesen können.
7.11.16 14:03


Ich las: Jaron Lanier: Wem gehört die Zukunft?

Im Klappentext heißt es:

"Viel früher, als Aldous Huxley es sich 1932 in seinem visionären Roman "Schöne neue Welt" vorzustellen vermochte, ist die Menschheit in eine existenzielle Abhängigkeit geraten. Mit unvorstellbarer Geschwindigkeit entwickeln sich die Speichermaschinen im Internet für jeden Einzelnen "worldwide" zu einer Gefahr. Und das liegt nicht nur an florierenden internationalen Datenaustauschgeschäften wie zwischen dem deutschen BND und dem US-Geheimdienst NSA, sondern genauso an den global agierenden Wirtschaftsgiganten im Netz die Namen tragen wie Google, Amazon oder Facebook. Sie alle haben entdeckt, dass die intimen Informationen, die ihnen ihre User naiv-bereitwillig oder unwissentlich liefern, eine gewinnträchtige Ware sind. Provokant, aber optimistisch - ein visionärer Augenöffner der besonderen Art von dem "David Foster Wallace der Technologie" (The Evening Standard)."

Ich kaufte das Buch auf Grund einer Buchbesprechung in "DIE ZEIT", weil der Autor den diesjährigen (2015) "Friedenspreis des Deutschen Buchhandels" erhalten hatte. Und natürlich auch deshalb, weil ich wissen wollte, wem die Zukunft tatsächlich gehören könnte.
Die Antwort schien mir simpel: den Technologen, den Ingenieuren, den naturwissenschaftlichen Forschern, die sie aufbauen und die dann von kleveren Geschäftsmachern (Investoren genannt) zu riesigen Machtinstrumenten zusammengefasst werden, mit denen sich ungeheure Vermögen zusammenzuraffen lassen. Zurück bleibt die sog. Mittelschicht und auf der Strecke die von den Produktionsmaschinen verdrängten Arbeiter.
Der Autor unternimmt es Alternativen zu entwickeln.
Ich gebe zu, als typischer Digital-Konsment habe ich davon nicht mal die Hälfte verstanden. Doch das Buch liest sich einfach gut.
8.3.16 13:45


Ich las: Lale Akgün: Tante Semra im Leberkäseland

Geschichten aus meiner türkisch-deutschen Familie

Auf der vierten Umchlagseite heißt es:

"Türken sind anders - Deutsche aber auch
"Ach, Sie kennen Heinrich Böll?" "Sie sprechen aber gut Deutsch." "Fahren Sie im Urlaub nach Hause?"
Lale Akgün ist "eigentlich" Türkin, doch nach über 45 Jahren in Deutschland ist ihr hier nichts mehr fremd - im Gegenteil: alles über eine herrlich verrückte Familie zwischen Bosporus und Rhein."

Da ich die Autorin vor vielen Jahren über die Familienberatungsstelle der Stadt Köln kennengelernt habe, war ich neugierig etwas über ihre Familie und ihr Gewordensein zu erfahren. Meine Frau kaufte das Fischer-Taschenbuch über Amazon antiquarisch - es kam aus Irland für einen Spottpreis. Es wäre aber den Ladenverkaufspreis wert gewesen. Ich habe oft herzhaft gelacht. Nicht nur, dass die Autorin gut schreiben kann, sie hat auch das Talent, ihre Berichte mit gutem Humor zu würzen.
Durch sie lernte ich nun türkische Intellektuelle kennen - im Gegensatz dazu erinnerte ich mich an Personen, die Orhan Pamuk beschrieben hat, die ich mir daraufhin schwer als europäische Bürger vorstellen konnte. Menschen vom Kaliber von Lale Akgün und ihrer Familie können wir in Deutschland nicht genug haben.
(Mal sehen, ob sienoch mehr geschrieben hat.)
19.2.16 17:28


Ich las: Helmut Schmidt: Was ich noch sagen wollte

Auf der vierten Umschlagseite heißt es:

"In den Umfragen nach den beliebtesten Deutschen belegte Helmut Schmidt (1918-2015) jahrelang eine Spitzenposition. Für viele war er das Vorbild eines Politikers schlechthin. Wer aber waren Helmut Schmidts eigene Vorbilder? Welche Begegnungen haben ihn geprägt, an welchen Menschen hat er sich orientiert?
"Was ich noch sagen wollte" ist Schmidts persönlichstes Buch - und das politische Vermächtnis eines großen Deutschen."

Der Autor stand im 96. Lebensjahr als er dies Buch zu schreiben begann. Es erschien ein Jahr später in der ersten Auflage. Ich erhielt ein Exemplar der 5. Auflage im Januar 2016 und las es mit abnehmender Befriedigung. Denn Helmut Schmidt wollte noch sagen, dass er im Grunde keine Vorbilder hatte, zumal es keine allgemein verbindliche Haltung dafür gibt, wer denn als Vorbild tauglich sei. Wohl aber wollte er mitteilen wer und welche Grundsätze ihn beeindruckt und zum Übernehmen ermuntert haben. Weil es so viele nicht waren, hätte daraus schwerlich ein Buch werden können. Also sagte er anschließend, was und wie ihn Musik und Malerei beschäftigt und zu ihrem besseren Verstehen gebracht haben.
Wie er die erworbenen ethischen Grundsätze in seinem politischen Handeln angewandt hat, legt er u.a. an einigen Beispielen aus seiner Kanzlerzeit offen.
Natürlich steckt darin auch eine gute Portion Rechtfertigung.
Anrührend ist das Kapitel, in dem er seine Ehejahre mit Frau Loki beschreibt. Sie war sein Zuhause, schreibt er. Eine wünschenswerte bessere Partnerschafts-Beschreibung darüber hinaus kann ich mir nicht vorstellen.
16.2.16 17:56


Ich las: Christoph Lindenmeyer: Rebeller, Opfer, Siedler

Die Vertreibung der Salzburger Protestanten

Auf der vierten Einbandseite heißt es:

"Sie wurden direkt von der Feldarbeit geholt und bei jedem Wetter nur mit dem, was sie auf dem Leib hatten, aus dem Land getrieben. Rund 22000 evangelische Salzburger wurden unter der Herrschaft von Erzbischof Firmian 1731 zur Auswanderung gezwungen, und etwa 300 von ihnen gelangtem mit Hilfe der Ausgburger Glaubensbrüder und der Englischen Krone nach Amerika. Dort gründeten sie nahe Savannah in Georgia die Gemeinde Eben Ezer."

"Christoph Lindenmeyer hat das Schicksal der Salzburger Emigranten penibel recheriert und schildert es anhand von Briefen, Tagebüchern und anderen historischen Quellen. Einen großen Anteil davon bilden die Tagebücher des Theologen Boltzius, der als Prediger, Seelsorger, Erzieher und Amtsperson alles zu Papier bringt, was die Emigranten in der kleinen Siedlung widerfährt - so bedrückend die geschlderten Grausamkeiten in Salzburg sind, so faszinierend sind die Berichte aus der neuen Heimat und über die Unterstützung bei der Auswanderung."

Ich erwarb das Buch weil meine Vorfahren mütterlicherseits vertriebene Salzburger Protestanten waren, die nahe des Memelstromes unweit von Tilsit angesiedelt wurden. Über ihr Schicksal hoffte ich mehr zu erfahren. Dies gelang leider überhaupt nicht. Das Buch umfasst zwar 328 Seiten, von denen sich gerade mal 6 mit den Emigranten beschäftigen, die nach Ostpreußen gezogen waren. Es handelt sich um 17.038 Menschen, die bis 1733 in Berlin registriert wurden. Vermutlich waren die Quellen, die den wenigen Emigranten gewidmet sind, die nach Amerika zogen, bequemer zu erreichen und auszuwerten. Der Buchuntertitel "Die Vertreibung der Salzburger Protestanten" ist demnach schwer "gestrunzt" (angeberisch übertrieben).

Einige Zitate sind dennoch recht interessant. So steht auf Seite 40/41:

"Im Jahr 1728 , so erzählen die Salzburger, hatte Pabst Benedict XIII. die offizielle Grußformel für die Bürgerinnen und Bürger in Salzburg vorgeschrieben: "Gelobt sei Jesus Christus!". Wie sollte darauf geantwortet werden? Rom hatte auch dies festgelegt: "Von nun an bis in Ewigkeit!" Wer sich an diesen Standard hält, kommt 200 Tage früher aus dem Fegefeuer. Wer sich der Grußformel verweigert, muss ein Abtrünniger sein, ein Rebell, ein Sektierer. Wer den päbstlichen Gruß auf seinem Sterbebett noch aussprechen kann, erhält sogar einen Ablass von zweitausend Jahren. Das ist großzügig, denn das Fegefuer brennt quälend lange. Da sind solche großzügigen Ablässe willkommen. Der Gruß grenzt ein und grenzt aus. Er unterscheidet die Guten von den Bösen. Die Katholiken von den Protestanten. Die Rechtgläubigen heften Zettel mit dem Gruß an ihre Türen. Wer die Grußformel benutzt, ist einer von uns. Die evangelischen Salzburger aber weigern sich, die vorgeschriebene Formel anzuerkennen.

Fromme Worte als ein Ritual für die Säufer. Die Unruhe im Salzburgischen wächst, als der Fürsterzbischof Jesuiten in sein Land holt. Der neue Herrscher will energisch aufräumen. Zu lange schon weht der Freigeist. Alle wissen, dass Jesuiten bisher ncht einreisen durften. Jetzt sind sie da, und es werden immer mehr. Die meisten einheimischen Priester sind ungebildet, sie sind dumm. Viele leben im Konkubinat. Sie sind geldgierig. Sie werden als Spione des Herrschers wahrgenommen, als Steuereintreiber, als Pfründeinhaber. Alle Einwohner werden verpflichtet, den jesuitischen Bußpredigten zuzuhören.....
Auch so begannen die Verfolgung und Unterdrückung der Evangelischen im Fürsterzbistum. Anzeigen, Denunziationen und Hausdurchsuchungen. Die Priester lassen sich oft von Soldaten und Justizbeamten begleiten. Wenn Bücher entdeckt werden, werden sie beschlagnahmt. Wem sie gehören oder bei wem sie gefunden wurden, erhält eine Geldstrafe oder eine Gefängnisstafe. Buchhbesitzer, Vorleser und Laienprediger werden in Ketten gelegt. Die Bücher werden zerhackt und verbrannt."

Die vertriebenen Protestanten, ingesamt etwa 30.000 innerhalb von einigen Monaten, kommen auf ihrem Zug durch halb Deutschland.

"Die Lage in Augsburg ist dramatisch. Der evangelische Magistrat der Stadt Augsburg beschwert sich beim Kaiser, über die Torsperren (die der katholische Bürgermeister verhängt hat), und über die unverhältnismäßigen Auflagen gegen die Emigranten.... Immer mehr Bürgerinnen und Bürger beweisen ihre Solidarität mit den vertriebenen Salzburgern. Die Kapuziner-Mönche steigen auf die Dachböden ihrer Klöster, um alles genau beobachten zu können. Sogar die katholischen Studenten weinen, als erleben, wie die Emigranten singen und beten. Die Salzburger zeigen sich wie immer diszipliniert und bescheiden. Niemand drängt sich vor.. Wohin sie auch gehen; sie bilden Schlangen. Immer zwei gehen zusammen. Wer Geld oder Sachspenden bekommmt, teilt sie sofort mit den anderen. Es dauert nur wenige Monate, bis sich das Wunder ereignet, von dem alle träumten. Die Staatenlosen werden Bürger der Königreiche England und Preußen. Damit rechnen nicht einmal die Katholiken. Das verändert die Lage radikal. Denn bisher gilt: Solange die Salzburger vor der Stadt einquartiert sind, bleiben die Stadttore für sie verschlossen. Sobald sie abgereist sind, werden die Tore geöffnet. Kommt der nächste Transport, werden die Eingänge wieder versperrt. Die Augsburger bringen kleine Bierfässer zu den Emigranten, Milch für die Kinder und immer wieder Geld. Diese Menschen, die nichts besitzen, bedürfen jeder Hilfe. Die Salzburger sind überwältigt von solcher Zuneigung."

Wie der Autor weiter berichtet, werden die Salzburger in den evangelischen Landen herzlich empfangen und versorgt und weiter auf ihrem Weg begleitet.
Es entsteht, was heute Willkommenskultur genannt wird. Insofern passt dieses Buch ganz gut in unsere Zeit.
12.2.16 13:40


[erste Seite] [eine Seite zurück]  [eine Seite weiter]



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung